Philipp Reitza

Geschichtenerzähler & Küchenphilosoph

Philipp Reitza

Über mich

Ursprünglich stammt meine Familie aus Afrika.

Bedauernswerter Weise sind die letzten knapp 300.000 Jahre der Familiengeschichte nur äußerst schlampig dokumentiert, sodass ich über den Grund meiner Anwesenheit hier keine belastbare Aussage treffen kann.

Unter diesen Vorraussetzungen stellt eine Landung per Klapperstorch die naheliegendste Theorie dar.

Das verantwortliche Geschöpf, welches entweder unter einer ausgeprägten Akrophobie litt oder einfach nur unglaublich faul war, hat die Alpen von Norden kommend nicht überfliegen wollen, wodurch ich vorerst in Dortmund gestrandet bin…
Um dieses schwere Trauma zu verarbeiten, begann ich früh mit dem Schreiben.

Obwohl ich mittlerweile ohne Probleme als mittelalter, weißer Mann durchgehe, habe ich diese Art der „Alltagsbewältigungsprosa“ beibehalten.“

Geschichten....

Philipp Reitza

Wunscherfüllung...

Wunscherfüllung… Wir alle schwitzen. Die Hitzewelle hat die Stadt erreicht. Sofort strömen die Menschen in die Freibäder, die Flüsse und Seen. Sie kaufen tonnenweise Eis und trinken literweise kalte Getränke. Die Mutigen liegen nackt in der Sonne und werden braun, die Feigen sitzen im Schatten und cremen sich mit Sonnenschutz ein. Die Verrückten laufen im Park um den See, sie haben Angst vor zu viel Kalorien. Abends wenn sie alle zur Ruhe gekommen sind, sitzen sie gemeinsam in den Bars und Kneipen, den Eiscafes und Coffeshops und beklagen sich. Das Wetter sei verrückt, erzählen sie sich, gänzlich aus der Art geschlagen. Man könne nicht einschlafen bei dieser Hitze. Am Tage sei es noch schlimmer. In den Baumärkten sind die Ventilatoren ausverkauft, ebenso wie Klimaanlagen. Die Supermärkte haben Schwierigkeiten Trinkwasser zu liefern und Eis wird auch langsam knapp. Den Grund für diese Zustände vermuten die meisten hinter der Klimakatastrophe. Durch die globale Erwärmung habe sich das Wettergefüge verschoben. Bald werde es an Weihnachten mindestens 20 Grad haben, an Nord- und Ostsee stehen geschmückte Palmen am Strand & die Ostereier werden unter meterhohem Schnee gut gekühlt auf ihren Entdecker warten. So darf es nicht weitergehen…! Der Mensch ist ein unstetes Wesen. Der Stillstand, das Verweilen in einer Situation ist ihm unangenehm. Nach kurzer Zeit fängt er an unruhig zu werden & mit seinem Hintenr auf dem Stuhl rumzurutschen. Um sich besser zu fühlen, ist er auf der Suche nach Veränderung, genauer gesagt nach Verbesserung. Diese ist erfahrungsgemäß mit sehr großen Anstrengungen und aufreibender Arbeit verbunden, sodass die meisten Menschen es vorziehen Wünsche zu äußern. Wünsche dieser Art richten die meisten Menschen gerne Richtung Himmel, die allermeisten verordnen dort ihren individuellen Wunscherfüller. Dieser möge ihre Bitten erhören & für die mühelose Erfüllung sorgen. Maximaler Spaß bei minimaler Verantwortung. Da die meisten Wunscherfüller täglich eine unübersichtlich große Anzahl von Anfragen erhalten und auch ihre Fähigkeiten beschränkt sind, laufen die meisten Stoßgebete ins Leere. Diese allmächtigen Wesen haben eine sehr wichtige Aufgabe zu erledigen. Diese ist nicht, es uns so einfach wie möglich zu machen. Vielmehr sollen sie uns anspornen, uns zu entwickeln, unsere Persönlichkeit zu entfalten und für unsere Träume zu kämpfen. Dann, unter gewissen Umständen sind sie bereit, einem ein bißchen unter die Arme zu greifen. Eine Art Augenzwinkern des Schicksals. Nur manchmal, wenn ganz viele Menschen, gleichzeitig ein und den selben Wunsch haben, lassen sie ihren Auftrag Auftrag sein und gönnen uns den Spaß. Solche Gelegenheiten sind allerdings selten, auf welches Thema können sich denn möglichst viele Menschen einigen? Weder Religion, Politik, Sport noch die Verbesserung der Welt sind dazu geeignet. Von all diesen Dingen hat jeder Mensch eine andere Vorstellung. Einzig und allein das Wetter scheint genügend Menschen zu einen. Anders ist der aktuelle Hitzerekord nicht zu erklären. Zu Beginn des Jahres sah es bescheiden aus. Der Himmel war grau, die Temperaturen eher schlecht. In vielen Teilen Europas stand den Leuten das Regenwasser bis in die zweite Etage. Weder ein schöner Frühling, noch ein großartiger Sommer waren in Sicht. Die Menschen saßen drinnen und wünschten sich einen Sommer. Einen richtigen, so wie früher. Die Leute verlangten nach Wärme, Sonne und tiefblauem Himmel. Man wollte wieder ins Freibad gehen, auf der Wiese im warmen Wind trocknen und alle Sorgen vergessen. Offensichtlich gab es genügend Individuen, die diese Vorstellung, dieses Verlangen teilten, sodass sich die Wunscherfüller erbarmten und gaben uns, wonach wir verlangten. Wie so oft, waren sie dabei sehr gründlich und ordentlich, sie hören genau zu und vergessen niemals. Sie nehmen die Sorgen der Menschen sehr ernst und ebenso sorgfältig gehen sie an ihr Werk. In dieser Sorgfalt liegt uns Problem. Wir haben uns sehr allgemein ausgedrückt, beim Wünschen an die Sommer unserer Kindheit gedacht, die in unseren Erinnerung immer schön, warm und ohne Ende waren. Keiner sagte: Ich hätte gerne einen Sommer, zwischen 85 und 90 Tage lang, mit einer täglichen Höchsttemperatur von 25 Grad, dazu eine leichte, warme Brise aus NordOst. Regen bitte nur in den Nachtstunden und nicht zu viel. Der Himmel sollte klar sein und eine geringe Luftfeuchte haben. Nun sitzen wir in der heißen Sommerluft, keine Wolke ist am Himmel zu sehen. Wir trinken kalten Getränke und wünschen uns das es endlich wieder kälter wird. Wir sollten vorsichtig sein.

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